Seit dem Jahr 2015 veranstaltet MEMORARE PACEM mit Unterstützung der Landeshauptstadt Dresden eine jährliche internationale Arbeitstagung zu Aufgaben, Chancen und Heraus­forderungen kommunaler Friedenskultur. Im Jahr 2019 wird der Fokus der Arbeitstagung auf dem Thema Friedensbildung liegen.


PEACE.CULTURE.CITY 2019
Friedenskultur lernen: Bildung für eine Gesellschaft mit weniger Gewalt und mehr Gerechtigkeit

Friedenskultur verstehen wir als das gemeinsame Bemühen von Menschen, gesellschaftliche Beziehungen gewaltfrei zu gestalten und Menschenrechte umfassend zu wahren. Dies setzt spezifische Einstellungen, Kompetenzen und Verhaltensweisen voraus, die sich immer wieder neu in veränderten gesellschaftlichen Bedingungen bewähren müssen.

Vor diesem Hintergrund bedeutet lokale Friedenskultur auch ein fortwährendes, gemeinsames Lernen, an dem alle sozialen Gruppen einer Stadt oder Gemeinde beteiligt sind. Dieses Lernen vollzieht sich sowohl innerhalb formaler Bildungsstrukturen als auch informell im sozialen Umfeld und in den Alltagserfahrungen der Menschen.

Mit der Arbeitstagung PEACE.CULTURE.CITY 2019 soll Bildung in diesem weiten Sinne als Ressource für Friedenskultur diskutiert werden. Die Tagung zielt auf einen produktiven Austausch zwischen allen jenen Akteuren in den Städten und Gemeinden, die mit Lernen im sozialen Umfeld befasst sind. Sie ist daher thematisch fach- und strukturübergreifend angelegt. Wesentliche Impulse in der Arbeitstagung sollen von Gastreferenten aus Dresdens britischer Partnerstadt Coventry ausgehen.

In der Arbeitstagung werden Fragestellungen wie die Folgenden diskutiert:

  • Welchen strategischen Rahmen benötigt der kollektive Lernprozess zur Förderung von Gewaltfreiheit, Konfliktkultur, Demokratie und Menschenrechten?

  • Mit welchen Bildungsansätzen können die Sach-, Sozial- und Handlungskompetenzen gefördert werden, die notwendig sind, um den aktuellen Herausforderungen auf dem Weg zu einer gewaltfreien und gerechten Gesellschaft zu begegnen?

  • Wie können die unterschiedlichen Akteure im Bereich formaler und informeller Bildung in den Städten und Gemeinden dazu produktiv zusammenarbeiten?


Hintergrund: Friedenskultur in den Städten Europas

Friedenskultur wird dort erlebt oder vermisst, wo Menschen miteinander leben: Für die Hälfte der Weltbevölkerung sind dies Städte. In den Städten werden die globalen Chancen und Probleme der Menschheit konkret. Hier wird Frieden als Bemühen um Gewaltfreiheit und Gerechtigkeit erlebbar. Hier werden strukturelle Gewalt und soziale Ungleichheit sichtbar, wird nicht selten direkte Gewalt gegen Menschen ausgeübt. Städte sind ein Raum für die gesellschaftlichen Konflikte unserer Zeit. Sie sind zugleich aber auch die Orte, an denen Lösungen gefunden werden − als Orte der Begegnung und des Austauschs, der Kreativität und Innovation, der Kultur und Wertschöpfung, des Meinungsstreits und demokratischer Mitbestimmung.

Die Städte Europas sehen sich in der jüngsten Gegenwart mit konflikthaften Entwicklungen konfrontiert: Wirtschaftliche Ungleichheiten verstärken soziale Spannungen in den Stadtgesellschaften. Flucht und Migration lassen globale Probleme in europäischen Städten unübersehbar werden. Tradierte Identitäten sind in Frage gestellt. Gesellschaftliche Bindekräfte erodieren. Die repräsentative Demokratie wird kritisch hinterfragt. Digitale Medien verändern die gesellschaftliche Kommunikation. Nationalismen stellen europäische Integration und internationale Zusammenarbeit in Frage.
Die Komplexität und Dynamik dieser Konflikte vertieft gesellschaftliche Polarisierungen, verstärkt Spannungen in den Stadtgesellschaften und provoziert Gewalt.

Daraus resultiert eine grundlegende Aufgabe für Politik, Verwaltung und Bürgergesellschaft in den Städten: Gewaltfreie Antworten auf Konflikte sind zu finden. Städtische Identitäten müssen entwickelt, städtische Kommunikation neugestaltet und lokale Demokratie neu definiert werden. Zusammenfassend: Friedenskultur ist erneut und neu zu lernen.

Hintergrund: Landeshauptstadt Dresden

Dresden, die Landeshauptstadt des Freistaates Sachsen, ist eine lebendige europäische Großstadt mit etwa 550.000 Einwohnern und jährlich mehr als sieben Millionen Gästen. Insbesondere ihre Bedeutung als Zentrum von Kunst, Kultur, Wissenschaft und innovativer Technologie sichert Dresden eine weite internationale Ausstrahlung.

Die zum geschichtlichen Symbol gewordene Zerstörung des Dresdner Stadtzentrums im Zweiten Weltkrieg verpflichtet die Stadtgesellschaft in besonderer Weise zum Engagement für Frieden, Menschenrechte und Demokratie. In der jüngsten Vergangenheit haben sich jedoch auch in Dresden gesellschaftliche Konflikte zugespitzt. Ein Ausdruck dessen sind nationalistische und demokratiefeindliche Bürgerbewegungen, die überregional Aufmerksamkeit erhielten.

> Weitere Informationen: www.dresden.de

Hintergrund: MEMORARE PACEM. Gesellschaft für Friedenskultur e.V.

MEMORARE PACEM ist eine unabhängige, bürgerschaftliche Initiative in Dresden, in der sich Menschen unterschiedlicher Generationen, Kulturen und Nationen für eine Kultur des Friedens einsetzen. Ihre Tätigkeit konzentriert sich auf die Bereiche Friedenserziehung, Erinnerungskulturen und Geschichtspolitik. MEMORARE PACEM versteht sich als Teil eines internationalen Netzwerks für Frieden, Menschenrechte und Demokratie.

> Weitere Informationen: www.memorarepacem.org